Catcher on the Rhein, Deutsch
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Kulturschock-Kolumne: Und Wasser, Bitte?

Von Chetna Krishna – Kleve, Deutschland

English text here

Es war fünf Uhr am Abend und bereits dunkel. Wie immer auf meinem Heimweg kam ich bei Ali Baba, einem Restaurant das von einem alten türkischen Herrn geführt wird, vorbei. Normalerweise vermied ich es außer Haus zu essen, um jeden Cent zu sparen. Heute beschloss ich letztendlich doch nachzugeben. Also betrat ich das Restaurant.

Ich wartete zehn Minuten und starrte dabei verblüfft auf die in Deutsch geschriebene Speisekarte. Abgesehen von der Tatsache, dass ich nichts verstand, war das einzige vegetarische Gericht, das ich identifizieren konnte Pizza Margherita. Ich bestellte.

Zwanzig Minuten später kam meine Pizza. Ich war überrascht, dass diese nicht in Stücke geschnitten war, aber das war nicht die einzige Sache, die ich seltsam fand.

„Und Wasser, bitte?“, fragte ich in meinem gebrochenen Deutsch.

„Achso, hier“, sagte der Mann in Richtung eines Kühlschrankes zeigend in dem ein Paar versiegelte Wasserflaschen standen.

Ich hatte mit einem Glas Wasser gerechnet bevor das Essen serviert wird. War das nicht offensichtlich? Scheint, als wäre es nicht. Ich konnte ihn nicht nach einer Erklärung fragen, aufgrund meiner fehlenden Deutschkenntnisse.

Zuhause, in Indien, ist es normal Wasser vor dem Essen zu servieren. In Indien kommt nicht wie in Deutschland aus jedem Wasserhahn Trinkwasser. Trotzdem ist Wasser in Restaurants in Indien kostenlos, in Deutschland kostet es Geld. Es war schwer für mich zu glauben, dass etwas so essentielles wie Wasser in Deutschland nicht kostenlos ist. Aber es ging nicht nur um Wasser in schicken Restaurants.

In Indien ist es eine verbreitete Geste jedem der dein Haus betritt Wasser anzubieten. Aber in Deutschland macht man das nicht, wie ich während meiner Suche nach einer Wohnung in Kleve herausfand. Keiner der Vermieter bot mir Wasser an, als ich ankam. Natürlich hätte ich selbst nach Wasser fragen können, wenn ich Durst gehabt hätte, aber sollte es nicht eine nette Geste einer anderen Person sein? Warum sollte ich diese ruinieren wollen?

Ich hatte vorher nie bemerkt wie bedeutend das für mich war. Ich nehme an, man vermisst manche Dinge erst, wenn man sie nicht mehr hat.

„Atithi Devo Bhava“ ist eine Redewendung in Sanskrit und bedeutet „Der Gast ist äquivalent zu Gott.“ Sie stammt von einer alten hinduistischen Skulptur.

„Sei Einer für den die Mutter Gott ist, sei Einer für den der Vater Gott ist, sei Einer für den der Lehrer Gott ist, sei Einer für den der Gast Gott ist.“

Diese Redewendung wurde schließlich zu einer allgemeinen Verhaltensregel und wird in vielen Haushalten in Indien umgesetzt, ganz gleich welche Religion oder sozialer Status. Diese nette Geste oder der Glaube, unterschätzt von anderen Indern, kam zurück ins Rampenlicht als sie 2008 die Tourismuskampagne für Indien wurde.

Ich weiß nicht, ob der Brauch Wasser anzubieten aus Indien stammt. Ich bin nur jemand der mit der einfachen Tradition eine kleine, bescheidene Frage zu stellen aufgewachsen ist: Möchten Sie Wasser?

Nebenbei, obwohl ich jetzt schon bereits seit zwei Jahren in Deutschland lebe, habe ich immer noch kein Wasser in Restaurants gekauft. Ich kann mich einfach nicht dazu überwinden. Ich zahle lieber eine Cola oder ein Bier.

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