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Aktivisten blockieren Rheinland Kohlefeld: Ende Gelände Klimaaktion

Von Enno Schöningh – Kleve, Deutschland

English text here

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Zeichnung von Kristina Araslanova

Nach ungefähr einem Jahr ist die Allianz aus anti-Atom und anti-Kohle Bewegungen „Ende Gelände“ mit einer weiteren Klimaaktion zurückgekehrt. Die Koalition blockierte die Versorgung von Braunkohle zu den Kohlekraftwerken im Rheinland Kohlefeld mit einer Sitzblockade auf den Gleisen der Versorgungslinie. Studierende der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) waren unter den Aktivisten.

Was ist passiert?

Die Veranstalter planten für fünf Tage Camping und Aktion. Trainings und Plenarsitzungen wurden am 26. Oktober gehalten, um die kommende Aktion zu diskutieren. Am Samstag, den 27. Oktober, verließen 6500 Aktivisten das Camp, auf dem Weg zu dem legalen Protest nahe des Hambacher Forsts. Die legale Demonstration war eine andere Veranstaltung, von Ende Gelände unterstützt aber nicht organisiert. Teile der Gruppe gingen in Richtung legale Demonstration, aber schwärmten danach aus mit dem Ziel die Versorgungslinie zu blockieren. Andere wurden von Polizisten umringt und gestoppt, eine Aktion die „kesseln“ unter Aktivisten genannt wird.

Die erste Gruppe, die die Versorgungslinie erreichte, blockierte die Zugschienen erfolgreich. Eine große Gruppe von Aktivisten, die vorher von der Polizei gestoppt wurde, folgte später. Nach einer Übernachtung auf den Zugschienen wurde die Versorgungslinie am 28. Oktober von immer noch 2000 Aktivisten blockiert. Bis auf ungefähr 100 Aktivisten kehrten die anderen freiwillig am nächsten Morgen zum Camp zurück. Insgesamt blockierten die Aktivisten die Versorgungslinie für mehr als 24 Stunden.

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Aktivisten blockieren die Versorgungslinie der Kohlekraftwerke. Foto von Enno Schöningh

Was haben die Studentenaktivisten erlebt?

Jakob, ein Student der Fakultät Life Sciences, nahm an den Protesten teil. Laut Jakob hörte er von Ende Gelände das erste Mal 2015. Er sagt, dass er davon beeindruckt war wie engagiert die Leute für Klimagerechtigkeit kämpfen.

„Nicht alle Gesetze sind gerecht, sie auf eine Art und Weise herauszufordern um Medienaufmerksamkeit und einen öffentlichen Diskurs herzustellen kann den Prozess der Veränderung beschleunigen“, sagte Jakob. „Da es Zeit ist, die uns am meisten in unserem Kampf gegen Klimawandel fehlt, empfand ich diese Form von Aktion effizient und legitim.“

Jakob sagt, dass die Aktion sehr erfolgreich war. Er und seine Freunde wurden von der Polizei eingekesselt und später von Wasserwerfern gestoppt. Nichtsdestotrotz sagt er, dass die Nachricht über den Erfolg der anderen Aktivisten ihn in einer guten Stimmung hielt.

„Es wurde ein bisschen chaotisch an manchen Orten und nicht jeder erreichte sein Ziel“, sagte Jakob. „Trotzdem bin ich über das Resultat glücklich. Diese Aktionen sind hauptsächlich von symbolischer Bedeutung, es geht darum Bilder zu erstellen und Aufmerksamkeit zu bekommen um den Diskurs in unserer Gesellschaft zu beeinflussen.“

Laut Florian, einem früheren Internationale Beziehungen Student, nach dem Beobachten der Unfähigkeit der Regierung gegen Klimawandel zu handeln, war sich Ende Gelände anzuschließen die logische Konsequenz.

„Bei Ende Gelände geht es darum unsere Körper, auf gewaltfreie Art, zu nutzen um kritische Infrastruktur zu blockieren“, sagte Florian. „Das allgemeine Ziel ist es den Prozess des Kohleausstiegs zu beschleunigen, die Kohleproduktion temporär zu stoppen um letztlich den gesellschaftlichen Diskurs zu beeinflussen.“

Florian sagt, dass die Polizei ihn in Gewahrsam nahm, nachdem sie ihn auf einer Weide umringte. Später wurde er freigelassen.

„Es ist sehr stressig, die Polizei probiert dich einzuschüchtern“, sagte Florian. „Aber letzten Endes weißt du das du für die richtige Sache dort bist.“

Nachdem er freigelassen wurde ging er zur Versorgungslinie um mit einer Tasche, die warmes Essen, Wasser und Schlafsäcke enthielt, die Aktivisten, welche die Gleise blockierten, zu unterstützen.

„Wir gingen zu den Gleisen und hinterließen einige Vorräte“, sagte Florian. „Als wir mit Schlafsäcken wiederkommen wollten entdeckte die Polizei das Leute Wasser und Essen zu den Aktivisten brachten – also blockierten sie den Zugang zur Versorgungslinie und wir kehrten in das Camp zurück.“

Florian sagt, dass er von der Menge an Polizei in dem Gebiet überrascht war. Laut Florian waren dort Helikopter, viele Gruppenkraftwagen und Scheinwerfer die Licht in verschiedene Richtungen warfen.

„Du fühlst dich wie ein Krimineller, wenn du den Aktivisten Essen und Wasser bringst“, sagte Florian. „Es ist ziemlich lächerlich zu sehen wie viel Aufwand betrieben wurde uns aufzuhalten.“

Klara, eine 20-jährige HSRW Studentin, sagt das sie von Ende Gelände auf einer Klimakonferenz in Bonn letztes Jahr gehört hat. Letzten Herbst hielt sie sich auf dem Ende Gelände Camp auf, ohne an der Aktion zivilen Ungehorsams teilzunehmen. Diesen Oktober wollte sie eine aktivere Rolle spielen und einen Beitrag zu der Aktion leisten.

„Bei Ende Gelände geht es nicht um das Individuum, sondern um die Gruppe“, sagte Klara, die auch von der Polizei eingekesselt wurde. „Deshalb, auch wenn ich nicht selbst bei der Blockade mitwirken konnte, bin ich glücklich. Wir haben die Polizei gebunden, was den anderen Aktivisten ermöglichte einfacher zu den Gleisen der Versorgungslinie zu gelangen.“

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RWE’s Kohlekraftwerke nahe des Hambacher Forst in NRW, Deutschland. Foto von Enno Schöningh

Laut der Ende Gelände Presseerklärung vom 27. Oktober bedient der Energiedienstleister Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk (RWE) drei Braunkohle Tagebaus und vier Kohlekraftwerke. Die Erklärung sagt auch aus, dass die Braunkohle Tagebaus Europas größte CO2 Quelle sind und dass die Regierung eine Kommission beauftragt hat eine Agenda und ein Datum für den Kohleausstieg zu ermitteln. Trotzdem plant der Energiedienstleister RWE den Primärwald ‘Hambacher Forst’ zu roden, für die Vergrößerung des Braunkohletagebaus. Die Proteste fanden vor diesem Hintergrund statt.

Laut Jakob, Klara und Florian stimmen die Aktivisten zu einen Aktionskonsens einzuhalten. Er beinhaltet, unter anderem, dass Aktionen nicht gegen die Polizei oder RWE gerichtet sind; dass alle Aktionen gewaltfrei und ohne Sachschaden durchgeführt werden; dass niemand gefährdet werden soll. Das vollständige Dokument ist über den folgenden Link verfügbar: https://www.ende-gelaende.org/de/aktionskonsens/

*Manche Namen wurde geändert, um die Identität der interviewten Personen zu schützen.

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Catcher on the Rhein is a student-led newspaper initiative. We print two editions each year and publish digitally throughout the year.

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