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Nach Europa geschmuggelt: Aus dem Nahen Osten nach Griechenland

Von Ottavia Mossetto und Enno Schöningh – Griechenland

English text here

*Alle Namen wurden verändert, um die Identitäten der interviewten Personen zu schützen.

„Während wir zusammengepfercht in dem Boot saßen hat etwas unser Boot berührt“, sagte Mehrang. „Es war der Körper einer ertrunkenen Person der stromabwärts trieb. Wir vermuteten das es ein Flüchtling war der nicht schwimmen konnte.“

Werden normale Bürger zu Flüchtlingen, rennen sie.

Mehrang verließ mit seiner Frau und seiner Tochter Kabul, die Hauptstadt Afghanistans, um sich mit ihnen auf den Weg in das 5000 Kilometer entfernte Griechenland zu machen.

Viele Flüchtlinge sehen nur einen Ausweg um einem Leben voller Missbrauch zu entkommen. Sie verlassen ihr Heimatland in der Hoffnung auf ein besseres Leben: ein Leben in einem demokratischeren Land, einer stabileren Wirtschaft und einem sicheren Platz für sie.

„Ich bin vor einem misshandelnden Vater und einer nicht existierenden Regierung geflohen“, sagt Mehrang. „Ein Staat der nicht in der Lage ist seine Bürger zu beschützen kann kaum von irgendjemandem als Zuhause angesehen werden.“

Laut Hajira, die selbst vor ein paar Monaten mit ihrem Ehemann und ihrem Baby aus Afghanistan geflohen ist, ist Flucht die letzte Option. Sie sagt das niemand freiwillig sein Zuhause und sein soziales Umfeld zurücklässt.

Über Wasser

Während ihrer Flucht überqueren die Flüchtenden mit Hilfe von Schleppern Staatsgrenzen. Illegal in ein Land geschmuggelt zu werden kann mehrere tausend Euro kosten.

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Bild von Ottavia Mossetto

„Wir haben mehr als 8000€ an die Schlepper gezahlt“, erklärt Mehrang. „Die Schlepper sind miteinander vernetzt. Einer bringt dich an die türkische Grenze, ein Anderer hilft dir rüber. Der Nächste sammelt dich hinter der Grenze ein und fährt dich weiter ins Landesinnere. Die Schlepper stehen oft unter dem Einfluss von Drogen um ihre Angst und Nervosität zu kontrollieren. Falls sie erwischt werden, hat das gravierende Konsequenzen.“

Mehrang beschreibt die Schwierigkeiten die er und seine Familie während ihrer Reise von Afghanistan nach Griechenland durchlebt haben.

„Um die Iranisch-Türkische Grenze zu überqueren mussten wir zwei Berge besteigen“, sagte er. „Es war unfassbar kalt. Wenn ich mir eine Zigarette angezündet habe, habe ich sie nicht geraucht, sondern in meiner Hand gehalten, um meine verfrorenen Hände zu wärmen. So kalt war es.“

Laut Mehrang konstituiert ein Fluss einen Teil der Griechisch-Türkischen Grenze. Den 200 Meter breiten Fluss haben sie auf einem Boot überquert.

„Während wir zusammengepfercht in dem Boot saßen hat etwas unser Boot berührt“, sagte Mehrang. „Es war der Körper einer ertrunkenen Person der stromabwärts trieb. Wir vermuteten das es ein Flüchtling war der nicht schwimmen konnte.“

Über Land

Der Menschenstrom setzt sich aus Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten zusammen. Je nach ihrer finanziellen Situation müssen die Menschen zwischen verschiedenen Routen wählen, um die Türkisch-Griechische Grenze zu überqueren.

„Manche können nicht schwimmen, zwängen sich aber trotzdem in ein Boot, da es der günstigste Weg ist“, sagte Mehrang. „Von der Türkei nach Griechenland über Land geschmuggelt zu werden kostet 2000€ pro Person. Das Ägaische Meer zu überqueren kostet zwischen 300€ und 500€ pro Erwachsener. Deshalb können sich viele Leute nur die günstigste Option leisten.“

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Mehrang’s Fluchtroute. Das Bild wurde nach Mehrang’s detaillierten Erzählungen erstellt.

Faireh und seine Familie suchen Asyl in Europa. Laut Faireh haben sie sich, nachdem sie die Türkisch-Griechische Grenze über Festland überquert haben, zwei Tage im Wald vor der Polizei versteckt.

„Die Schlepper sagten uns wir sollen dort warten“, sagte Faireh. „Wir waren circa 20 Leute die mit Plastiktüten bedeckt auf dem Boden lagen. Es war Winter und meine Frau war im fünften Monat schwanger. Meine beiden Töchter waren vier und sechs Jahre alt, sie haben gefroren und waren hungrig. Wir hatten nur eine Tüte mit Essen für die gesamte Reise.“

Nach dem Aufenthalt im Wald hat sich Faireh’s Familie auf den Weg zu den Flüchtlingscamps in Thessaloniki, Griechenland gemacht.

„Als wir es endlich in Thessaloniki ankamen versuchten wir in eines der Camps zu gelangen, aber uns wurde der Zutritt verweigert“, sagte Faireh. „Wir schliefen 22 Tage vor dem Camp. Vielen anderen ging es genauso.“

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Dieser Artikel ist das Resultat von Erfahrungen die Freiwillige in Athen mit der NGO Cribs International gemacht haben. Die Organisation ist eine Notfallhilfeorganisation die Familien mit schwangeren Frauen im letzten Trimester oder mit Kleinkindern im Alter von bis zu 12 Monaten hilft. Sie bietet ihnen eine Unterkunft und ein kleines Taschengeld, genug um zu überleben. 

Dieser Artikel ist das Ergebnis von Erfahrungen die uns Freiwilligen von Leuten die wir in Athen trafen erzählt wurden. Die meisten von ihnen sind afghanische Familien.    

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*Dies ist ein Auszug eines Artikels, der in der Ausgabe im Januar 2019 präsentiert wird.

 

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